Großmeister sind „Gentlemen und Weltklassesportler“

Einmal den Großmeistern ganz nahe sein – das war am gestrigen Donnerstag möglich: Bei einer Autogrammstunde im Orchesterzentrum gab es regen Kontakt zwischen Spielern und Besuchern des Sparkassen Chess-Meetings. Auch einige Open-Teilnehmer waren dabei.

Eine lange Schlange hatte sich vor dem Tisch gebildet, an dem die acht Großmeister saßen. Geduldig warteten die Schachfans, bis sie an der Reihe waren. Viele hatten ein großes Plakat mitgebracht, auf dem sie alle Großmeister unterschreiben ließen. Andere hatten Autogrammbücher oder ähnliches im Gepäck. Wladimir Kramnik, Georg Meier und ihre Kollegen gaben sich viel Mühe, die Wünsche ihrer Fans zu befriedigen. Auch nach dem Ende der Autogrammstunde blieben einige da und standen für Fotos und Gespräche zur Verfügung.

Die Schachanhänger kamen von nah und fern, um ihre Idole zu sehen. Alexander, der beim DSV 1875 spielt, hatte sich wie die meisten von allen Großmeistern Unterschriften geben lassen. Kramnik fand der 19-Jährige besonders gut. Er ist zum ersten Mal hier und genießt die Atmosphäre. Auch Anna Küßner gefiel die Autogrammstunde. „Es ist schön, die Großmeister so zu erleben“, fand sie. Man treffe viele Schachfreunde. Auch für Kinder sei es schön, so an den Schachsport herangeführt zu werden.

Auch am Sparkassen Open nehmen einige der Fans teil. „Ich spiele bei den A-Open mit“, erklärte Mathias Mroczek. „Bisher habe ich einmal gewonnen, einmal verloren und dreimal Remis gespielt.“ Der Duisburger hatte die erste Runde verpasst, konnte aber nach einem kurzen Telefonat mit Turnierleiter Christian Goldschmidt trotzdem teilnehmen. Neben der Autogrammstunde gefielen ihm auch die Kommentatoren Klaus Bischoff und Elisabeth Pähtz, genau wie Patrick Bohry. Er tritt bei den C-Open an. „Bisher habe ich drei aus sechs gewonnen, das ist okay“, so das Mitglied der Schachfreunde Brett vor’m Kopp aus Duisburg. Die Bedingungen gefallen den Teilnehmern. Dass die Partien der Open online gestellt werden, findet Anklang, etwa bei Michael von den Schachfreunden Lindlar. Man könne gut Spielpraxis sammeln. Bei den B-Open habe ich bisher vier aus sechs gewonnen.“ Er nimmt bereits zum fünften Mal teil. Jan (11) spielt ebenfalls bei den C-Open mit und hat drei aus sechs gewonnen. Das Open gefiel ihm. Zudem lobt er, dass die Autogramme nichts kosten – der Besucher der ein oder anderen Convention kann von den teilweise sehr hohen Autogrammpreisen der Stars ein Liedchen singen.

Zufrieden mit dem bisherigen Verlauf des diesjährigen Sparkassen Chess-Meetings war Gerd Kolbe. Er lobte unter anderem Jan-Krzysztof Duda. „Er ist mit 20 Jahren der Jüngste und ist ganz vorne mit dabei“, erklärte der Veranstaltungsleiter. Andere wie Wladimir Kramnik standen zeitweise deutlich schlechter. „Aber das Imperium schlägt zurück“, sagte Gerd Kolbe mit einem Augenzwinkern. Derzeit (Stand 19. Juli) sind vier Teilnehmer mit 2,5 Punkten auf Platz eins: Kovalev, Kramnik, Nepomniachtchi und Duda. Kovalev, mit aktuell Nummer 96 in der Welt eigentlich Außenseiter, wäre aktuell sogar Sieger. „Nach der dritten Runde führte noch Duda, auch ein Außenseiter“, beschrieb Gerd Kolbe. Sportlich sei das Turnier auf hohem Niveau. „Die Spieler kämpfen teilweise bis zu sieben Stunden“, so Gerd Kolbe. Seit den 1970er-Jahren habe sich auch das Auftreten der Großmeister gewandelt. „Damals waren sie oft noch sehr introvertiert“, erinnerte er sich. „Heute sind sie weltoffen und stehen mit beiden Beinen auf dem Boden. Sie benehmen sich a) wie Gentlemen und b) wie Weltklassesportler.“

Das Moderatorenteam Klaus Bischoff und Elisabeth Pähtz kommt bei den Besuchern auch gut an. Viele finden, dass sich beide gut ergänzen, so zum Beispiel Michael aus Lindlar: „Die Kommentare sind klasse.“ Auch Gerd Kolbe fand nur lobende Worte. „Es macht Laune, den beiden zuzuhören.“ Bedingt durch das sehr gute Wetter und dadurch, dass das Startwochenende mit dem Ende der Fußball-WM zusammentraf, seien es nicht ganz so viele Besucher wie 2017. Aber zufrieden war er trotzdem. „Es ist schön, dass so viele Kinder kommen. So können wir viele junge Menschen an Schach heranführen.“ Das Sparkassen Chess-Meeting sei das weltweit einzige mit Autogrammstunde. Auch Mareike (15) von den Schachfreunden Brackel gefällt das Chess-Meeting. Sie tritt ebenfalls bei den Open, im B-Turnier, an. Es macht ihr Spaß, auch wenn sie sich über einige Niederlagen ärgerte. „Schach ist klasse, da man es fast überall spielen kann. Auch Spielpartner findet man schnell, und Schach-AGs gibt es auch viele.“

Wer ins Foyer des Orchesterzentrums kommt, sieht übrigens sofort, dass sich diese Tage (fast) alles um Schach dreht. Die Ausstellung „Schach ist Kunst“ mit 32 künstlerisch gestalteten, überdimensionalen Schachfüguren macht dies deutlich. Ausstellungsleiterin und Künstlerin Christiane Köhne ist seit fünf Jahren dabei. „Diesmal dachte ich mir: Das können doch auch andere“, erklärte sie. Die Mitwirkenden sind teilweise Profis wie Bettina Brökelschen oder Tanja Moszyk, teilweise Laien, auch Kinder. Auch ein Schwertransportunternehmen ist dabei. Ein Werk hat sich „Alice hinter den Spiegeln“ zum Vorbild genommen und die Züge, die im Buch beschrieben werden, nachvollzogen. Bei einem anderen Werk wird der König durch eine Burg aus Legosteinen beschützt. Bei den Besuchern kommt die Ausstellung gut an. „Vor allem der Power Bauer ist ziemlich cool“, fand etwa Alexander. Auch Gerd Kolbe lobte die Ausstellung. „Sie ist spektakulär und publikumsfreundlich.“