Diese jungen Schachspieler sind beim Sportland.NRW Jugend Cup dabei

Der König ist tot, lang lebe der König: Das Helmut-Kohls-Turnier heißt seit diesem Jahr Sportland.NRW Jugend Cup. Inhaltlich hat sich aber kaum etwas geändert. Diesmal sind aber lokale Spieler in der Überzahl.

Der Cup ist ein Einladungsturnier. Zehn jugendliche Schachspieler treten in neun Runden gegeneinander an. Dabei spielt jeder gegen jeden. Die Jugendlichen, die unter 20 Jahren sein müssen, liegen im Spielstärkenbereich von 2000 bis 2200 DWZ.

Erster ist momentan (Stand Freitag) Nikolay Kartsev von den Schachfreunden Brackel. „Ich hatte aber auch viel Glück“, so der 17-Jährige bescheiden. Für eine Partie hatte er den WM-Kampf von 1978 zwischen Kasparow und Karpov zum Vorbild genommen. „Ich habe so Varianten für jede Seite vorbereitet.“ Varianten hat er so entwickelt und eine forcierte Gegenvariante gefunden. Sein Gegner gab schließlich auf. Das Schachspielen hat er von seinem Vater Soel Kartsev gelernt. „Fast alle in meiner Familie spielen Schach.“ Durch Schach hat er auch neue Freunde wie Ali Elier und Vitaliy Garbuz gewonnen. „Wir spornen uns gegenseitig an und haben schon endlose Duelle gegeneinander gespielt“, erinnert er sich. Dieses Jahr war er zum ersten Mal Ruhrgebietssieger in der U18-Klasse. Mit seiner Mannschaft hat er schon öfter an den NRW-Meisterschaften teilgenommen und gut abgeschnitten. Den Cup schätzt er sehr. „Ich habe als aufstrebender Schachspieler immer zu dem Turnier aufgesehen, weil dort oft bekannte Spieler antraten. Schön, dass Jugendlichen so eine Chance geboten wird“, findet er.

Der Lüner Erdogan Seref hat Schach teilweise mit seinem Vater, teilweise mit dem Schachprogramm Fritz & Fertig gelernt. Ursprünglich war er bei einem anderen Verein, ist aber zu den Schachfreunden Brackel gewechselt: „Hier ist die Förderung von Jugendlichen deutlich besser.“ Er findet den Cup gut, auch wenn das Turnier für ihn bisher nicht so gut lief: „Mir gefällt es, dass Jugendliche eine Chance haben sich zu beweisen. Es ist interessant zu sehen, wer sich in dem ausgeglichenen Feld behauptet.“ Verbandsmeister und -vizemeister stehen bereits auf seinem Konto, ebenso der Preis für das „beste Brett“ bei Jugendvereinsmeisterschaften. „Schach hilft beim logischen Denken“, findet er. „Ebenso bringt es Geduld, Konzentration und Durchhaltevermögen.“

Der 17-jährige Maximilian Wensing spielt bei SG Ahaus-Wessum. Mit dem bisherigen Verlauf des Turniers ist er zufrieden. „Ich habe 5 aus 8 geholt.“ Gelernt hat er das Schachspielen von seinem Vater, als er drei Jahre alt war. Mit sechs ist er in den Verein eingetreten. „NRW-U16-Meister zu werden war bisher mein größter Erfolg“, erzählt er. Das Schachspielen sieht er auch als gute Abwechslung zum Fußballspielen beim TuS Wüllen in der Kreisliga B.

Ali Elier (Schachfreunde Brackel) kam durch seinen Schachlehrer an der Grundschule zum Spiel. „Als ein Mädchen aus meiner Klasse mal einen Schachpokal gewann, habe ich sie danach gefragt. Mit meinem Vater bin ich dann gleich zur Schach-AG gegangen und er hat mich angemeldet. Der Schachlehrer Babak Sohraby hat mich dann sehr gefördert“, erzählt der 17-Jährige dankbar. Gewonnen hat er unter anderem schon das B-Turnier bei den Pfalz Open und die Stadtmeisterschaft in Dortmund. Mit dem Cup ist er bisher ganz zufrieden, bis auf sein Spiel am Freitag. Auch er hat einen Ausgleich zum Schach und übt Krav Maga, ein Selbstverteidigungssystem, aus.

Aik Arakelian aus Ennepetal hat schon so einige Erfolge feiern können. So war der 13-Jährige bereits U12-NRW-Meister, zweimal Vizemeister in der U14-Klasse, und hat bereits viermal an den Deutschen Meisterschaften teilgenommen. Als Höhepunkt sieht er seine U12-Teilnahme an der Europameisterschaft in Rumänien 2017. „Und bei den Sparkassen Open habe ich bereits das B-Open gewonnen“, freut er sich. Aik, der bei SG Ennepe-Süd spielt, war bereits Sportler des Jahres in Schwelm und Ennepetal. 2015 kam er mit seiner Familie nach Deutschland und spielt seitdem auch Schach im Verein. Schach hat sein logisches Denken geschult, was ihm auch in der Schule hilft. Sein großes Vorbild ist der achte Schachweltmeister Michail Tal.

Ilya Gutkin kam durch seine Eltern zum Schach. „In unserer Synagoge gab es einen Treff, bei dem ich auch mein erstes Turnier gespielt habe“, erinnert sich der 16-Jährige. Über die Schule kam er in seinen Verein Turm Krefeld. Neben der Deutschen Meisterschaft hat er auch an den NRW-Meisterschaften teilgenommen, bei denen er U14- und U16-Vizemeister wurde. „Es macht Spaß, am Brett Probleme zu lösen und für jede Stellung den richtigen Zug zu finden“, beschreibt er. „Die Preisgelder sind außerdem ein gutes Taschengeld“, erklärt er schmunzelnd. Durch Schach hat er viele neue Freunde gefunden, „Es macht Spaß, mit ihnen zu Wettkämpfen zu fahren.“ Den Cup bei dem er mit 3 aus 8 deutlich unter seiner Performance spielt, schätzt er sehr. „Vor allem, dass es ein Einladungsturnier ist, was dem Ganzen einen anderen Stellenwert gibt.“

„Bisher lief das Turnier für mich eigentlich ganz gut, auch wenn ich Donnerstag etwas unglücklich verloren habe“, findet Robin Gallasch, der 5 aus 8 geholt hat. Der 16-Jährige spielt bei SG Porz und wohnt in Rösrath. Zum Schach kam er per Zufall: „Ich wollte eigentlich als Fünfjähriger mit meiner Mutter Mensch ärgere Dich nicht spielen, entdeckte dann aber ein Schachbrett und fand das viel interessanter“, erinnert er sich. Mit sechs kam er in den Verein und spielt auch in der Schule in einer Schach-AG. Mit seiner Vereinsmannschaft wurde er bereits Deutscher Vereinsmeister und im Einzel Vierter bei der NRW-Meisterschaft. „Beim Schach muss man flexibel und kreativ sein“, lobt er den Sport.

Moritz Runte kam durch einen Freund in eine Schach-AG. Jetzt spielt er beim SV Hemer. 2019 wurde er NRW-Meister U18. „Man kann aus jeder Partie etwas mitnehmen und sich weiter verbessern“, schätzt er am Schach. Außerdem lernt man durch den Sport viele Menschen kennen. Er findet den Großmeister Magnus Carlsen gut, will seinen Stil aber nicht imitieren. „Ich finde es gut, dass hier Jugendliche gefördert werden“, lobt er. Er findet, dass Schach ihm auf jeden Fall etwas bringt. „Es fördert das logische Denken.“ Das merkte er auch bei den naturwissenschaftlichen Fächern in der Schule, zu denen er eine hohe Affinität hatte, „so wie viele Schachspieler“. Mittlerweile studiert er Mathe.

Lando Korten kam durch Harry Potter zum Schach. „Meine Mutter hatte mir den ersten Band vorgelesen, in dem ein Zauberschachspiel vorkommt. Ich habe sie dann gefragt was das ist und fand es sehr interessant. Sie hat dann geschaut wo der nächste Schachverein, der SV Unna, war“, erzählt er seine ungewöhnliche Geschichte. Der gebürtige Unnaer lebt in Dortmund und spielt inzwischen bei den Schachfreunden Brackel. In Unna und Soest war er schon Stadtmeister. Auch in Goch hat er schon gespielt. „Das Turnier war stark besetzt, daher war die Teilnahme für mich ein Erfolg, auch wenn ich nicht auf den vorderen Plätzen landete.“ Dass beim Sportland.NRW Jugend Cup starke Jugendliche gegeneinander antreten können, findet er gut.

Auch Vitaliy Garbuz kam durch Soel Kartsev zum Schach: „Durch ihn kam ich in die Schulschach-AG“, erinnert sich der 17-Jährige. Von Soel empfohlen, kam er auch zu den Schachfreunden Brackel. Im Rating stieg er schnell auf, auch weil er gleich sein zweites Turnier gewann. Durch die regelmäßige Teilnahme an den Deutschen Vereinsmeisterschaften war er schon an zahlreichen Orten in Deutschland. „Vergangenes Jahr habe ich die NRW-Jugendeinzelmeisterschaften gewonnen“, erzählt er. Nach einem kleinen Formtief läuft es bei dem von Christian Goldschmidt trainierten Spieler wieder besser. Beim Sportland.NRW Jugend Cup bzw. dem Helmut-Kohls-Turnier gefiel ihm immer, dass auch ausländische Spieler etwa aus den Niederlanden teilnahmen. Am Schach schätzt er unter anderem, dass man zwischendurch auch mal vom Brett aufstehen und sich mit Freunden unterhalten kann.

Das Turnier gibt es seit über zehn Jahren

Seit 2015 organisiert Thomas Fiebig das Turnier. Damals hieß es noch Helmut-Kohls-Turnier, das es seit 2008 gibt. Helmut Kohls, langjähriger Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Dortmund, war maßgeblich an der Gründung der Dortmunder Schachschule e.V. beteiligt. „Das Turnier wird jetzt vom Land gefördert“, erklärt Christian Goldschmidt, Leiter der Sparkassen Open, den Namenswechsel. Eingeladen werden regionale Spieler mit einer DWZ zwischen 2000 und 2200. Internationale Spieler sind auch oft dabei. „Das Feld ist sehr homogen. Vor allem an der Spitze sind viele Teilnehmer gleichauf“, so der Leiter.

Dieses Jahr sind die Spieler im gleichen Raum untergebracht, in dem auch das A-Turnier stattfindet. „Sie haben nun bessere Bedingungen: Sie müssen kein Startgeld bezahlen und sind mit 500 Euro für den ersten Platz sowie 400, 300, 200 und 100 für die folgenden Plätze höher dotiert“, beschreibt Christian Goldschmidt.